Szybalski gab Einblicke in ein Schicksal, das viele berührt hat: Einst verlor er durch den Alkohol alles – Familie, Arbeit und Gesundheit. Erst als er in einer kleinen Dorfgemeinschaft Menschen fand, die ihm Halt und Zuversicht gaben, begann für ihn ein neuer Lebensabschnitt. Offen und ehrlich sprach er darüber, was ihm geholfen hat und warum er heute anderen Mut machen möchte, selbst Hilfe anzunehmen.
Musikalisch wurde die Lesung von Klaus Bürgelbegleitet, der mit gefühlvollen Liedern die Stimmung des Abends untermalte. Besonders eindrucksvoll waren die „Rausch-Brillen“, die Szybalski mitgebracht hatte: Sie simulierten unterschiedlich starke Alkoholisierungszustände. Wer sie aufsetzte und kleine Aufgaben lösen sollte, merkte schnell, wie sehr Alkohol das Denken und Handeln verändert. Die praktische Erfahrung hinterließ bleibenden Eindruck – und regte viele Gespräche an.
Alkohol – eine unterschätzte Alltagsgefahr
In Mecklenburg-Vorpommern wird überdurchschnittlich viel Alkohol konsumiert. Für viele gehört der Drink am Abend längst zur Routine, doch der Weg von gelegentlichem Genuss zu riskantem Konsum ist oft kurz. Alarmzeichen wie Schlafprobleme, Reizbarkeit, Konzentrationsschwäche oder veränderte Stimmungslagen sollten ernst genommen werden.
Sucht ist eine Krankheit – und keine Charakterschwäche. Wer sich Unterstützung holt, beweist Stärke. Frühzeitige Hilfe kann verhindern, dass die Abhängigkeit das ganze Leben bestimmt.
Unterstützung und Beratung in Schwerin
In Schwerin stehen zahlreiche Anlaufstellen bereit, die vertraulich und kostenfrei unterstützen – sei es für Betroffene selbst oder für Angehörige:
- Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen (KISS) Schwerin
Spieltordamm 9, 19055 Schwerin
Tel.: 0385-39 24 333
E-Mail: info@kiss-sn.de
Web: www.kiss-sn.de
→ Vermittlung von Selbsthilfegruppen und Beratung für Betroffene und Angehörige. - Sucht- u. Drogenberatungsstelle
Mecklenburgstraße 97, 19055
Tel.: 0385-550 75 68 - Anonyme Alkoholiker (AA) Schwerin
Infos zu Gruppentreffen unter: www.anonyme-alkoholiker.de
Tipps für Angehörige
Auch Angehörige leiden unter den Folgen einer Suchterkrankung im nahen Umfeld. Wichtig ist, sich selbst nicht zu überfordern:
- Sprechen Sie ruhig und ohne Vorwürfe über Ihre Beobachtungen.
- Suchen Sie sich selbst Austausch, zum Beispiel bei Angehörigengruppen über KISS Schwerin.
- Setzen Sie Grenzen, um sich zu schützen.
- Ermutigen Sie, Hilfe anzunehmen – aber übernehmen Sie nicht die Verantwortung.
Die Lesung von Jürgen Szybalski hat gezeigt, dass selbst in scheinbar ausweglosen Situationen immer Hoffnung besteht. Mit Offenheit, Mut und Unterstützung kann jeder einen neuen Anfang wagen – und das Leben neu entdecken.
Andrea Preuß-Borowsky

